[Rezenion] Die Runen der Freiheit












Preis: € 22,-[D]


Seitenanzahl: 565


Reihe: /

Verlag: Bastei Lübbe


Meine Wertung: ✰✰✰




Inhalt

Töte William Wallace, den Rädelsführer der aufständischen Schotten. Eadrics Auftrag scheint klar. Bevor der junge Angelsachse ihn jedoch ausführen kann, gerät er in die Hände von Wegelagerern. Ausgerechnet ein Trupp Schotten rettet ihm das Leben und nimmt ihn bei sich auf. Bald schon kommen Eadric Zweifel an seiner Mission, so offensichtlich ist die Brutalität, mit der die Engländer in den Highlands vorgehen. Und dann ist da auch noch Ailinor, die Tochter des Clansherren, in die er sich verliebt. Als die Lage sich zuspitzt, steht fest, für wen er kämpfen wird – auch wenn er dafür in die Rolle eben jenes Mannes schlüpfen muss, den zu töten er aufgebrochen ist: William Wallace …

Meinung:


Allgemeine Besprechung:

Michael Peinkofer ist seit Jahren eine Bank für all jene, die temporeiche Abenteuerromane mögen. Ich habe selbst ein paar davon gelesen und fand z.B. Erben der schwarzen Flagge ziemlich gut. Aber seit meinem letzten Peinkofer-Buch sind einige Jahre und etlich Bücher vergangen, und nachdem ich jetzt Runen der Freiheit gelesen habe, weiß ich, dass der Autor immer noch eine Bank ist, aber sich darauf ausruht.

Ich weiß, dass viele Leser historicher Abenteuer- und Frauenromane nichts gegen eine strikte Aufteilung der Welt in schwarz/weiß, gut/böse, Held/Schurke haben. Viele Autoren darunter auch Gablé, Ebert und Follet bedienen sich diesem Schema. Man kann sich als Leser auf den Grundkonflikt des Buches konzentrieren und weiß immer woran man ist.

Wenn ihr das mögt, dann könnt ihr Runen der Freiheit ohne Probleme lesen und ich kann ihn euch ans Herz legen, denn er bietet alles, was man sich von so einem Roman erwartet. Er ist temporeich, gut recherchiert und hat einen gefälligen, klar deffinierten Helden.

***
Kritische Besprechung:
 
 Mir als Leserin, ist diese Aufteilung in Gut/Böse einfach nicht mehr raffiniert genug.
Die Welt ist nicht schwarz/weiß, sondern ein Ölgemälde aus unendlich vielen Grautönen.

Bei Peinkofer hingegen haben "die Guten" alle postiven Attribute, und "die Bösen" immer alle schlechten.
Die ersten dreißig Seiten benutzt der Autor, um uns den Grundkonflikt des Buches aufzubauen. Eadric ist der Bastardsohn eines Ritters und wird von dessen leiblichen Sohn Gerard immer wieder schickaniert. Peinkofer konstruiert also immer neue Szenen, in denen er Eadric als "den Guten" und Gerard als "den Bösen" positioniert. Damit will er erreichen, dass ich Sympathie und Empathie für den armen, geknechteten Helden empfinde.
Und er scheitert aus mehreren Gründen.

Da wäre zum einen die Figur von Eadric, die relativ substanzlos daherkommt. Er ist - ähnlich wie Bella Swan - eine undefinierte Masse, die dem Leser immer gefällig ist. Er hat keine Ecken oder Kannten. Er vertritt des Öfteren eine Meinung/Einstellung, die eher zu einem modernen Menschen passen würde, um ihn wieder als "den Guten" definieren.
Er ist sich auch für Doppelstandards nicht zu schade, als er nämlich den Krieg - mit dem er als Bogenschütze seinen Sold verdient - erst dann verurteilt, als es Menschen trifft, die ihm etwas bedeuten und nur so lange, wie es ihm einen moralisch erhöhten Standpunkt gibt.
Der Autor möchte, dass wir mit Eadric mitleiden, aber Eadric muss sich nie anstrengen, um sich meine Empathie zu verdienen.
Er ist kein armes Waisenkind, das hungrig, frierend und verstoßen, durch die Lande irrt. Nein. Eadric bekommt vom Autor einen Job, ein zu Hause, immer genug Geld in der Tasche und immer - wenn nötig - ein Mädchen im Bett. Er kann französisch, reiten und natürlich "Bogenschießen". Das ist auch so ziemlich alles, was Eadric an Charakter hat. Er ist "Bogenschütze". Leider überzeichnet der Autor diese Fähigkeit mitunter ins Groteske, um Eadric cool dastehen zu lassen und ich - als Bogenschützin - kann auch das nicht ernst nehmen, wenn Peinkofer mir erzählen will, dass Eadric Pfeile nahen "hört" u.ä.

Die übrigen Figuren sind einfach nur klassische Histo-Staffage, von denen höchsten die Figur von Wallace heraussticht.
 Wir haben die Kumples, den Mentor, die Mistress in Distress welche aber eingentlich die "rebellische Tochter der Highlands" geben will und natürlich nebenbei noch von einem Kräuterweib alles gelernt hat, was man im Mittelalter über Heilkunst wissen kann.
Dann "die Bösen" die alle schrecklich durchtrieben und böse sind.
Alles schön und fein säuberlich in zwei Lager geteilt.
Auch hier hat mir Raffinesse, Witz und Charme gefehlt. 

Der Plot ist zwar temporeich - immer passiert irgendwas - aber ziemlich linear. Es gibt einige Sprünge, von mehreren Monaten oder gar Jahren, aber die agierenden Personen verändern sich nicht großartig. Nach einem Sprung von sieben Jahren, am Beginn des Buches, ist das einzige, das sich geändert hat, das Alter der Protagonisten.
Auch im Plot arbeitet Peinkofer klassische Histo-Plot-Punkte ab. Er hat gut recherchiert, aber ich habe nicht an den Seiten geklebt, um herauszufinden, was als nächstes passiert.
 Figuren werden eingeführt, nur um dann ein paar Seiten später wieder, als emotionale Spitze getötet zu werden, um so Eadric wieder eine Möglichkeit zu geben, erneut sein gutes Herz zu zeigen und dem Leser gefällig zu sein.

Natürlich kommt Peinkofer auch nicht um die obligatorische Vergewaltigungsszene herum, die ich in diesem Werk besonders übel fand. Ich bin kein Fan solcher Szenen, weil sie in 90% der Fälle (so wie auch hier) den Plot nicht weiterbringen. In die Runen der Freiheit wird die fünfzehnjährige  Cecily von fünf Männern so lange Gruppenvergewaltigt, bis sie daran stirbt.
Eadric tut nichts um das zu verhindern, weil er - durch diese Szene - begreift dass sein Bogen nicht jedes Problem auf der Welt lösen kann. Da Bögen eine Distanzwaffe sind  sollte er das eigentlich eh längst wissen, aber okay. Auch dass man nicht einfach 5 Leute über den Haufen schießen kann, ohne dass es Konsequenzen hat, sollte klar sein und sicherlich hätte es hundert alternative Szenen gegeben, die zur gleichen Konklusio geführt hätten, aber der Autor hat sich für diese entschieden.

Cecilys Vergewaltigung - die der Autor adjektivlastig ausschlachtet - dient auch nur wieder dazu, dass Eadric eine weitere Kerbe in seinen Traumabettpfosten ritzen und darüber philosophieren kann wie schrecklich ungerecht die Welt ist.

Cecily würde ihm zum Thema "Ungerechtigkeit" da sicher zustimmen, aber nun ja ... sie ist tot.

Da viele Leser zum Thema Vergewaltigung immer argumentieren, dass es "damals halt so war" Newsflash: Die Zahlen von sexueller Gewalt an Frauen sind nicht rückläufig, nur weil wir im 21. Jahrhundert leben. Und ich bin gegen solche Szenen, wenn sie nur dazu dienen ein gängiges Klischee zu bedienen.

Diese Szene allein hat mich dazu gebracht, das Buch für einen Tag wegzulegen, weil es mich so aufregt.

Unterm Strich hat mich dieses Buch mehr aufgeregt, als unterhalten, weswegen ich einige Punkte abziehen muss. 

Fazit:

Alles in allem ist Runen der Freiheit der typische 0815 Histo.
Er sticht weder durch Handlung noch durch die Figuren aus der breiten Masse des Angebots heraus.
Wenn ihr auf der Suche nach einem schnellen Histo für den Urlaub seit, könnt ihr hier zugreifen, aber ihr verpasst nichts, wenn ich stattdessen ein anderes Buch lest. 

2,5 Sterne gibt es von mir





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