[Bookrant] Pakt des Blutes







Preis: € 9,45 [D]



Seitenanzahl: 397



Reihe: Egil & Nix 1


Verlag: Bastei



Meine Wertung: Null Sterne das Buch ist echt übel





Inhalt: 

Der Pakt muss erfüllt werden! Das ist alles, woran der Magier Rakon Norristru denken kann. Seit Jahren steht seine Familie in einem Pakt mit dem Dämonengeschlecht der Thyss: Die Norristru-Frauen müssen den Dämonen zu Willen sein, dafür erhalten die Nachkommen magische Fähigkeiten.

Nun muss Rakon den Dämon mit Hilfe eines Artefakts heraufbeschwören. Er belegt die Grabräuber Egil und Nix mit einem Bann, damit sie es für ihn beschaffen - doch er hat nicht mit der halsbrecherischen Sturheit der beiden gerechnet. Denn als die Recken die schönen Schwestern des Magiers sehen, wollen sie alles tun, um sie vor ihrem grausamen Schicksal zu bewahren ...


Meinung: 

Enthält Spoiler und das Ende dieses Buches
Das wird lang und schmutzig

Ich mag Fantasy.
Auch wenn ich, gerade bei diesem Genre, von Krise zu Krise stolpere. Entweder die Geschichten sind mittelmäßig und schaffen es nicht mich zu packen. Oder ich bin ein Fan-Girl für immer.

Ich bin eine Leserin die Low/Dark Fantasy bevorzugt. Ich hab kein Problem mit Gewalt in Büchern, solange es der Story dient. Ich hab Abercrombie gelesen, Lynch, Martin und McClennan und viele andere, die ihre Figuren schreckliche Dinge haben tun lassen.
Aber ich war noch nie so angeekelt von einem Buch, wie von Pakt des Blutes. Shame on you Mr. Kemp!

Ich gebe zu, ich hab bei dieser Reihe alles falsch gemacht, was man als Leser falsch machen kann. Ich hatte Gilde der Diebe bei Skoobe gefunden. Titel, Cover und Inhaltsangabe klangen vielversprechend und die ersten 50 Seiten waren sehr unterhaltsam. Dann stellte sich heraus, dass Gilde der Diebe der zweite Teil einer Reihe ist. Blöd gelaufen. Weil mir die Welt und der Erzählstil zusagten, lud ich mir Teil eins herunter, ohne auf die Inhaltsangabe zu achten. Das war ein Fehler.

Pakt des Blutes startet ganz ordentlich.
Unsere Helden sind Nix und Egil. Ersterer ein Straßenjunge, der von der magischen Akademie geflogen ist, letzterer der einzige Priester eines Gottes, der nur einen Augenblick existiert hat. Die zwei besten Freunde sind Schatzsucher, Grabräuber und echte Halunken, kurzum Figuren, wie ich sie mag. Ab und zu sind ihre Dialoge zu lang, und sie enstprechen gängingen Klischees, aber ich kann mit ihnen etwas anfangen.

Diese beiden plündern gerade das Grab eines Hexerkönigs, als ein Dämon auftaucht. Nix und Egil töten diesen und kaufen sich von dem Erlös des Raubzugs eine Bar.
So weit, so nett.

Auftritt Rakon Norristru.
Er ist der letzte männliche Nachfahre seines Hauses, das mit dem Dämonengeschlecht der Thyss einen Pakt hat.
Die männlichen Nachfahren erhalten dunkle arkane Künste, die weiblichen werden alle 2 Jahre von einem Sohn der Thyss vergewaltigt. Die neueste Runde steht an und Rakon hat seine Schwestern Russilla und Meralda vorsorglich eingekerkert. Der Dämon taucht aber nicht auf und Rakon erfährt, via magischer Facetime mit einem Winddämon, dass der letzte Sohn des Thyss gerade von unseren zwei Helden mittels eine Säule zu Mus verarbeitet wurde.

DAMN

Rakon hat jetzt ein Problem, denn Feinde lauern in der realen und der Geisterwelt. Die Norristrus haben sich ziemlich unbeliebt gemacht, und der einzige Ausweg aus der Situation ist, den allerletzten verschollenen Sohn der Thyss zu finden, zu erwecken und den Vergewaltigung gegen Macht Pakt zu erneuern, bevor der lichte Schleier sich in vierzehn Tagen legt.
Strammes Programm.
Also belegt Rakon Nix und Egil mit einem Bann ihm zu helfen diesen Dämon zu erwecken.
Möge die Tour de Farce beginnen.

***

Ich sags ganz ehrlich, bis so zur Mitte des Buches war die Story - trotz einiger Schwächen - ganz gut. Ich hatte jetzt auch noch nicht SO große Probleme mit der angedrohten Vergewaltigungssache, weil ich - jung und naiv, wie ich war - geglaubt habe, dass man die Sache noch zu einem guten Ende bringt. Irgendwie. Von mir aus auch mit viel Blut.

Dieser Storyteil ist ein starkes Motiv und eine gute Triebfeder für ALLE Figuren

Rakon ist in die Enge getrieben und MUSS etwas tun, damit er nicht getötet wird, er ist sogar bereit seine Schwestern zu "opfern" um den Fortbestand des Hauses zu wahren => Ist scheiße, aber kann ich - von seiner Warte aus - verstehen

Rusilla und Meralda wollen nicht vergewaltigt werden und nutzen alles, was sie haben, um sich zu befreien => Ist zwar armselig umgesetzt, aber ich kanns verstehen

Egil und Nix wollen aus dem Bann raus und die Mädels vor der drohenden Dämonenvergewaltigung retten => Sie sind unsere Helden, ich bin auf ihrer Seite.

Alles in allem, wurde in dem Buch noch keiner von einem Dämon vergewaltigt. Die Situation hängt nur als "Vorgeschichte" durch die Mutter der Drei und durch Träume/Visionen, wie ein Damoklesschwert über den Personen. Im Kern ist diese "Pakt mit einem Dämon" Sache, also nicht schlecht, weil sie ein schwer zu lösendes Problem darstellt. Sie hängen alle mit drin, auch Rakon, der zwar ein fieses Arschloch ist, aber er ist ein fieses Arschloch, dass nicht sterben will und das durch den Fluch selbst unfruchtbar geworden ist.

***

Kommen wir jetzt zu den zwei Kritikpunkten, die alle Sterne gefressen haben, die ich dem Buch jemals gegeben hätte.

1. Die Darstellung von Frauen in diesem Buch

In diesem Buch gibt es genau drei Arten von Frauen
1.) Huren
2.) Mütter
3.) Mistress in Distress

Mehr bekommt der Autor nicht hin. Frauen dienen entweder dafür um gefickt zu werden, oder sind alt und waren mal die Mutterfigur von Protagonist Nix.

Rusalla und Meralda, sind zwei Geistmagier, sie können in den Geist von Menschen eindringen und dort wirklich Schaden anrichten. Kemp hat den beiden Schwestern starke magische Gaben gegeben, die sie im Kern mächtig machen, aber 3/4 des Plots sind die zwei eingesperrt, ohnmächtig oder unter Drogen. Ihre einzige Aufgabe ist es in den Träumen der Protas aufzutauchen, ihnen Vergewaltigungen zu zeigen und um Hilfe zu flehen.

Starke Frauenfiguren ... nicht

Irgendwann gegen Ende des Buches kommt Nix auch zu folgenden bahnbrechenden Erkentnissen:
1. Frauen sind auch nur Menschen
2. Keiner hat es verdient vergewaltigt zu werden

Man möge sich diese Erkentnisse für den weiteren Verlauf der Handlung merken.

Ich gebe Nix ja schon den Bonus, dass er in einer mittelalterlichen Fantasywelt lebt, in der Frauen nicht die gleichen Rechte wie Männer haben. Die Umsetzung dieser sagenhaften Erläuchtung ist aber so cheesy, dass ich mir das I-pad gegen die Stirn geklatscht habe.
"SEI DIESER MANN NIX"

Jesus Christ.
Ich kratz mir heute noch den Schmalz vom Hirn, davon.

2. Können wir über das Ende reden?

Irgendwann spitzt sich die Lage zu, der Dämon ist da und verlangt seine Beute.
Der große, dramatische Endkampf steht an. Unsere Helden, Nix und Egil gegen den allerletzten Sohn von Thyss.
Sie kämpfen. Ewig. Episch. Blutig. Dramatisch.
Und kommen zu der Erkenntnis: Wir können den Dämon nicht besiegen. Er ist zu stark.

Also was tun?
Ich hoffe ihr sitzt, denn hier kommt die Konklusio dieses Buches:

Nix benutzt ein magisches Artefakt und verwandelt Rakon in eine Frau.
Nix schließt einen neuen Pakt mit dem allerletzten Sohn von Thyss, dass er Rakon gerne für immer in der Hölle vergewaltigen kann.
Alle sind zufrieden.

WHAT THE FUCK?!

Ja,  meine Lieben, ihr habt richtig gelesen. Vergewaltigung ist okay, wenn es die Bösen trifft. Natürlich muss man den Bösen vorher in eine Frau verwandeln, weil ... ausgeleichende Pussy-Gerechtigkeit. Karma is a cunt und so. 

Hey Nix. 
Was ist mit deiner tollen Erkenntnis: Frauen sind auch nur Menschen und keiner soll vergewaltigt werden?


Leute, ich bin ja auch dafür, dass die Schurken bestraft werden, aber dieser Schluss ist einfach nur abartig. Ich hätte kotzen können, als ich das gelesen hab. Einfach nur ekelhaft!
Es hätte eine Million anderer, besserer Enden gegeben, aber der Autor hat sich dafür entschieden, den bösen MANN in eine FRAU zu verwandeln und diese dann vergewaltigen zu lassen. 

Er rechtfertigt das damit, dass Rakon ja auch ohne mit der Wimper zu zucken seine Schwestern diesem Schicksal ausgeliefert hätte, übersieht dabei, dass auch Rakon - so paradox das klingt - keine wirkliche Wahl hatte. 
Entweder er lässt die Sache weiterlaufen oder er und alle anderen sterben. Das ist seine Wahl und er trifft - natürlich aus Egoismus - die Wahl die für ihn am leichtesten ist. Das macht ihm zwar zu einem furchtbaren Menschen, aber ich kann sein Motiv verstehen. Ähnlich wie bei Cersei in GoT.

Nix hingegen ist ein Außenstehender, der nichts mit dem Pakt zu tun hat. Für ihn gelten die Regeln nicht. Ein guter Plot wäre es gewesen, wenn Russila/Meralda oder Nix oder irgendwer sonst den Dämon getötet hätten und sich die Geister dann Rakon geschnappt hatten, der jetzt nicht mehr durch den Pakt gebunden wäre. 
Payback der Geister, die ich rief. Der böse ist bestraft, die Schwestern frei.

So allerdings, ist Nix noch schlimmer als Rakon, weil er selbst diesen neuen Vergewaltigungspakt mit dem Dämon schließt. Einer Frau (Rakon) wird jetzt Leid angetan, damit eine andere Frau (Russilla) kein Leid angetan wird. Das ist doch nicht win/win, das ist schäbig! Und Nix handelt aus dem niederen Motiv der Rache heraus und entschuldigt es damit, dass die Vorfahren von Rakon auch nicht besser waren.
Ja, aber ... AAAAARGH 

SEI DIESER MANN, NIX ..!
Ach egal, ich gebs auf!

Nochmal, ich bin immer dafür, dass der Böse bestraft wird, aber VERGEWALTIGUNG als BESTRAFUNG nachdem man aus dem Bösen eine FRAU gemacht hat *wirft das Buch ins Feuer und schaut zu, wie es brennt*

Dieses Buch ist als lustiges Abenteuer gestartet, und trotz einiger Schwächen konnte ich es sogar teilweise genießen. Das Ende jedoch ist einfach ein Schlag in die Fresse. 

Keine Lesempfehlung, für niemanden





 

Kommentare

  1. DANKE. DANKE und nochmals DANKE. Selten habe ich bei einer Rezension so geschmunzelt und war gleichzeitig entzürnt. WTF, was für eine Story. Wertlose Frauen und 'der Zweck heiligt die Mittel'-Umsetzung. Es gibt Sachen in Bücher die gehen und solche die gehen gar nicht. Gebe Dir da in allen Belangen recht.
    Nochmals Danke, auch für den Mut es auszusprechen. Vergewaltigung auf diese Art in ein Buch einzusetzen, no, nein, niet, none!
    Ich hoffe viele lesen Deine gnadenlos gute Rezension, auch der Verlag.
    Liebe Grüße
    Kerstin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Kerstin und danke für deine Rezi,

      ich bin allgemein kein großer "Fan von Vergewaltigungen", wenn ich das mal so salopp sagen darf. Viele Genre u.a. auch der historische Frauenroman benutzen diese überinflationär, um die Rolle der Frau in früheren Zeiten zu versinnbildlichen.

      Das ist einer der Gründe, warum ich historische Mittelalter-Frauenromane großflächig meide. Die Tatsache, dass man sich fast sicher sein kann, das die Protagonistin irgendwann geschändet wird, nur um einen Standpunkt zu verdeutlichen widert mich auch in diesem Genre unheimlich an.

      Kemp hat es hier auf die Spitze getrieben. Vielleicht sollte es "ironisch" sein, dass der Böse GENAU DAS bekommt, was er anderen antun wollte, aber Ironie ist ein Stilelement, dass man nicht mit dem Holzhammer einsetzen sollte.

      Bastei-Lübbe kann glaube ich am wengisten davon. Ausländische Lizensen werden oft im Bundle verkauft (willst du Bestseller XY, musst du auch Buch A-D nehmen) und ich persönlich hätte "Pakt des Blutes" nirgends als A-Lister beworben gesehen.
      Das war immer schon ein Midlist-Titel, den man so mitgeschleppt hat, die Resonanz auf Amazon mit gerade mal 3 Rezensionen sagt schon alles darüber.

      liebe Grüße
      Nadine

      Löschen
  2. Eine Hammer-Rezension. Geil. Einfach göttlich angesichts dieses sexistischen Buch-Abschaums. Du hast wirklich den Nagel auf den Kopf getroffen. Ganz großes Tennis. Ab jetzt werde ich hier öfter lesen! You bet.
    Liebe Grüße
    Jürgen

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Jürgen und danke für deinen Kommentar.

      Sexismuss ist, gerade im Fantasy-Genre, immer noch ein großes Problem.
      Das eher auf männliches Publikum zugeschnitte Angebot degradiert Frauen meistens in Nebenrollen, oder wie hier in Klischees (Mistress in Distress) die es zu retten und zu beschützen gilt.
      Das findet sich aber auch (romantisiert) in Fantasy-Büchern ala Twilight, die natürlich für ein anderes Publikum geschrieben sind.
      Natürlich gibt es auch positive Beispiele und Bücher in denen das Geschlecht einer Figur eigentlich keine Rolle spielt.

      Der Sexismus in der Fantasy geht aber schon so weit, dass weibliche Autoren dieses Genres genötigt werden sich entweder ein geschlechtsneutrales Pseudonym (J.K. Rowling dürfte die bekannteste Vertreterin sein) oder gleich einen männlichen "Pen Name" (z.B. Robin Hobb) zuzulegen, weil gerade Männer immer noch ein Problem damit haben, ein Buch zu lesen, das von einer Frau geschrieben wurde.
      Wir müssen uns immer wieder mit den Vorurteilen auseinandersetzen, wir könnten nur über glitzernde Vampire, sexy Werwölfe und Cupcakes schreiben und das Blut, die Gedärme, die politischen Ränke und die Schlachten den Jungs überlassen. Weil das "deren Ding" ist und wir Frauen die Plots zu "gefühlsduselig" auf die Lovestory allein ausrichten würden.
      Dass Autorinnen wie Robin Hobb, Elspeth Cooper oder Naomie Novak das Gegenteil beweisen, zählt für viele nicht.

      lg
      Nadine

      Löschen
  3. Ich bin begeistert von deiner Rezi und musste auch sehr schmunzeln. Du hast es auf den Punkt gebracht. Ich habe mit Vergewaltigungsszenen kein Problem, solange die Szene auch ins richtige Licht gerückt wird. Sei es als Basis für eine Revenge-Story oder als Überfall auf ein Dorf in einem historischen Roman. Das ist aber definitiv hier nicht der Fall und der Autor sollte sich schämen. Ich schaue gleich mal in meine Skoobe-Merkliste und lösche das Buch, das Cover kommt mir nämlich bekannt vor und ich habe es bestimmt gespeichert für später. Danke für diese tollen Worte.

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

[Rezension] Eisige Schwestern

[Montagsfrage] Kommentare