[Rezi] Die Heilerin von San Marco

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von Marina Fiorato
Limes Verlag
448 S. 
ISBN: 978-3-8090-2635-8
19.99€
Inhalt: 
1576. In Venedig bricht die Pest aus. Der Doge befürchtet, dass Gott die Venezianer für ihr dekadentes Leben bestraft und sieht nur einen Ausweg: Er lässt eine Kirche bauen, die größer als alle ist, die es je gegeben hat. Er ahnt aber nicht, dass der Schwarze Tod an Bord eines Schiffes aus Konstantinopel kam – und dass die junge Heilerin Feyra die Einzige ist, die die Lagunenstadt retten kann. Dafür benötigt sie die Hilfe von Annibale Carson, dem berüchtigten Pestarzt. Doch hinter seiner furchteinflößenden Maske verbirgt sich ein Mann, der Feyra vor ihre größte Herausforderung stellt ...

Achtung die Rezi enthält Teile der Handlung, 18+ Inhalte und Sarkasmus. 
Meinung:

Ungelogen, ich sitze seit einer geschlagenen Woche an  dieser Rezi und versuche die passenden Worte zu finden. 

Es fällt mir schwer dieses Buch zu bewerten, weil ich im Grunde ja wusste, auf was ich mich einlasse, jetzt im Nachhinein aber doch irgendwie enttäuscht, ärgerlich und ernüchtert bin. Deshalb hier eine etwas andere Rezi: 

Wer wird dieses Buch mögen?

Schmökerleserinnen.
Fans von Iny Lorentz, Liv Winterberg, Petra Durst-Benning, Sabine Ebert können mit "die Heilerin von San Marco" nichts falsch machen. 

Ihr mögt historische Romane mit "starken Frauen" in der Hauptrolle. Eine nette Kulisse. Guter Recherche, die nicht zu sehr ins Detail geht und den Focus auf den Figuren lässt. Abenteuer. Action. Romantik. Hübsche Heldinnen die nicht hübsch sein wollen? Schnitten als Protas die keine Schnitten sein wollen und ihren heißen Body hinter einer Pestdoktormaske verstecken? Und Figuren die mitunter werten/handeln/aggieren, wie Menschen den 21. Jahrhunderts?

DANN ist die Heilerin von San Marco ein Buch das ihr wirklich lesen solltet. 

Warum ich das Buch lesen wollte:

1. Venedig:
Ich mag Venedig als Schauplatz historischer Romane. Die Stadt ist, nicht nur architektonisch, einfach besonders. 

2. Die Renaissance
Ich mag die Renaissance als Schauplatz, weil sie das perfekte Bindeglied zwischen Mittelalter und Moderne ist. 

Warum ich das Buch nicht wirklich mochte:

Mir wurde klar, dass das ein harter Kampf wird, als ich Seite 10 erreichte. Auf Seite 10 ff. unterhält der Doge von Venedig sich mit dem Baumeister Palladio und schaut dabei aus dem Fenster. Was er sieht sind zwei Huren, die sich einen Freier angeln. Dieser Typ hat sich vorher schon ich nenns mal "die Knolle gehobelt" und wird jetzt von der einen Prostituirten von vorne und von der Anderen, mit dem Finger, von Hinten unter einem Säulengang bedient. 

Das  hat jetzt nix mit der Story an sich zu tun. Oder mit dem Plan eine Kirche zu bauen. Oder mit Feyra und Annibale oder mit überhaupt irgendwas. Diese obligatorischen Nutten, und die obligatorische Reaktion des Dogen (er ist obligatorisch entsetzt über die obligatorische Zügelosigkeit Venedigs) sind nur mal wieder eins von diesen Bausteinchen, die das Buch so grässlich bemüht werden lassen. 

Mir kommt es immer so vor, als hätten Autorinnen im historischen Bereich eine Checkliste die sie abarbeiten müssen (Nutten/Folter/Vergewaltigung u.o. Gewalt gegen Frauen/Hexenverbrennung u.o. Inquisition/Sex Sex Sex), um der vorwiegend weiblichen Leserschaft das selbe Sujet und die selbe Geschichte wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder zu bringen.

Und das nervt mich. 

Anstatt ein bisschen "anständigen" Sex, von vorne, hinten und der Seite, wo es mal auch bei den handelnden Figuren zur Sache geht, darf ich mir schon wieder wertende Anekdoten geben. Will die Autorin mir ohne Witze weißmachen, dass der Doge der "Partyhochburg Venedig" wo Nutten sich die Nippel rot anmalen und ihre Auslagen raushängen lassen, während sie durch die Stadt wandern, nie unter nem Säulengang ein "Doppelevent" gehabt hätte? Meine Herrn. Ernsthaft, diese ganzen "Pseudohistos" wo alle beim Anblick von Dreck, Gewalt, Prostitution und Elend mit erhobenen Zeigefinger durch die Gegend rennen und es ach so besser wissen, gehen mir echt auf die Eierstöcke. 

 Dieses Buch ist mal wieder ein Beispiel dafür warum Frauen dem Genre "historischer Roman" nur bedingt guttun. 
Sie nehmen sich ein tolles Thema: Bösartiger Sultan will Venedig durch gezielten Einsatz von B-Waffen auslöschen 
Und verwandeln es in ein Schmusi-Busi-Feelgood-Buch.

Anstatt wirklich in den In-Fight mit der Historie zu gehen, geben sie uns Figuren an die Hand, die mitunter denken/handeln und werten wie Personen des 21. Jahrhunderts. 
Die Protagonisten wissen natürlich wie wichtig Reinlichkeit ist. Das die Behandlungsmethoden der Renaissance ...  nun ja ... sagen wir mal, nicht wirklich erfolgsversprechend sind. Sind emanzipiert. Haben einen Sinn für das Gemeinwohl "Oh mein Gott, die schrecklichen Lebensbedingungen der Menschen in ihren überfüllten Häusern!" und immer so weiter. 
Und das macht Feyra und Annibale auch so furchtbar vorhersehbar, klischeehaft, scherenschnittartig und langweilig. 

Natürlich sind beide wunderschön. Doch Feyra verbirgt sich, kulturbedingt, unter hunderten Metern Stoff und will ja auch gar nicht hübsch sein. Ich frag mich bei sowas immer: Wenn die Autorin aussagen will, dass wir auf Feyras Intelligenz, ihr Charisma, ihre Fähigkeiten und Intellekt achten sollen, WARUM macht sie sie dann so bezaubernd schön? 
Würde es da nicht ausreichend sie "normal" zu machen?
Das Selbe bei Annibale. 
Immer dieses Jammern auf hohem Niveau.

 Gut, über das alles könnte ich noch irgendwie hinwegsehen, wenn die Story nicht so an den Haaren herbeigezogen wäre.
Und nein, ich meine nicht die Sache mit der Pest.
Gleich zu Anfang überschlagen sich die Ereignisse geradezu, aber in einem Tempo und  in einer Fülle, dass ich ab einem gewissen Punkt wirklich dachte: Jetzt ist aber mal gut. Es wurde sehr schnell sehr unglaubwürdig und als die Prota dann auch noch die Pest "einfach mal so" überlebt (????) hab ich das einfach nur noch abgenickt.

Vieles passiert in diesem Buch einfach nur, weil es unglaublich praktisch für die handelnden Personen ist.
Beispiele gefällig?

Feyra landet auf einer Insel und gräbt dort, einfach so, eine Goldmünze aus.
Damit kann sie dann praktischerweise die Überfahrt nach Venedig bezahlen. Aber der Schiffer lehnt Bezahlung, einfach mal so, ab.

Als nächstes rennt sie zum Dogenpalast und hat dort nichts besseres zu tun, als zu sagen: "Hey, die Mutter des Sultans schickt mich". Ich mein,  natürlich weiß Feyra dass Venedig und der Sultan im Krieg sind, aber hey man kanns ja mal probieren... na ja die Menge auf dem Markusplatz will sie daraufhin lynchen, aber sie entkommt, weil sie ja die Gassen von Venedig besser kennt, als der Mob hinter ihr und landet, praktischer Weise, genau vor dem Haus, das sie eh gesucht hat. Na was ein Zufall!!!

Die zwei Wachen sollen dann zum Phantombildzeichner (sic.) weil man muss die Muselmana ja finden die sich in Venedig versteckt. Man hat ja sonst keine Probleme, Pest oder so. Also fangen die zwei Tunichtgute an zu erzählen, wie bezaubernd schön Feyra doch nicht war.
Das passt aber dem Herrn Inquisitor nicht.
Weil eine Muselmana kann ja jetzt net hübsch sein. DAS GEHT DOCH NICHT!
Da riechen die zwei Herren Lunte (den Inquisitior verärgern ist nicht gut und so) und fangen an aus Feyra voll das hässliche alte Weib zu machen.
Fakt ist: praktischer Weise sieht das Fahnundgsbild zu 0,00000000001% aus wie Feyra

Zwar will Feyra sich total in die venezianische Gesellschaft integrieren, was sie aber nicht daran hindert beim Anblick eines Schweins schreiend weg zu rennen und sich im Keller zu verstecken oder vor ihrem Dienstherrn in ihrer Landessprache zu fluchen.
Undercover-Fail Feyra ... Undercover-Fail.

Praktischerweise hat der Dienstherr aber gar nix gegen den Feins in seinem Haus und praktischerweise hat Feyra ein photographisches Architekturgedächtnis und sie kann ihrem Dienstherrn halb Konstantinopel bis aufs letzte Minarett nacherzählen.

Die Liste  könnte ewig so weiter gehen.

Fazit:

Für mich ist die Heilerin von San Marco so etwas wie eine Tiefkühlpizza

Du weißt was du bekommst, du konsumierst es, aber es ist eben nichts wirklich tolles.

2.5 Sterne







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