[Rezi] Vienna Blood

http://www.randomhouse.co.uk/editions/vienna-blood/9781409065944
von Frank Tallis
476 S. 
ISBN: 0099471329
Arrow Publishing House
Liebermann Papers #2
10.40€
 
Inhalt:
 In the grip of a Siberian winter in 1902, a serial killer in Vienna embarks upon a bizarre campaign of murder. Vicious mutilation, a penchant for arcane symbols, and a seemingly random choice of victim are his most distinctive peculiarities. Detective Inspector Oskar Rheinhardt summons a young disciple of Freud - his friend Dr. Max Liebermann - to assist him with the case.

The investigation draws them into the sphere of Vienna's secret societies - a murky underworld of German literary scholars, race theorists, and scientists inspired by the new evolutionary theories coming out of England. At first, the killer's mind seems impenetrable - his behaviour and cryptic clues impervious to psychoanalytic interpretation; however, gradually, it becomes apparent that an extraordinary and shocking rationale underlies his actions ...

Against this backdrop of mystery and terror, Liebermann struggles with his own demons. The treatment of a patient suffering from paranoia erotica and his own fascination with the enigmatic Englishwoman Amelia Lydgate raise doubts concerning the propriety of his imminent marriage. To resolve the dilemma, he must entertain the unthinkable - risking disgrace and accusations of cowardice.
 
Meinung:
 
 
Die Liebermann Papers von Frank Tallis sind für mich etwas ganz besonderes. Ich lese viele Histos und ich liebe männliche Protagonisten. Normalerweise endet diese Kombination immer auf Schlachtfeldern des Mittelalters oder in der Gosse mit Schmutz, Blut & Gewalt.

Frank Tallis Bücher bilden einen wunderbaren Konterpunkt und ich kann es glaub ich nur schwer in Worte fassen, was mir diese Bücher geben.

Inhalt:

Vienna Blood ist der zweite Teil der Liebermann Papers (Bd. 1 Mortal Mischief hatte ich vor ein paar Jahren gelesen und drei weitere Bände warten noch darauf gelesen zu werden)

Wien 1902.
Dr. Max Liebermann ist Psychiater, ein guter Vertrauter von Doktor Freud (ja DER Doktor Freud) und er hilft seinem Freund Inspektor Reinhardt des Öfteren dabei skurile Mordfälle aufzuklären.

In Vienna Blood geht es um eine Mordserie die Wien im Winter 1902 heimsucht. Es geht um Mozart, Wagner, den aufkeimenden Nazionalsozialismus, Geheimlogen und das Militär. Frank Tallis mixt das alles zu einem wundervollen, dichten, gebündelten, intelligenten Plot, der zwar die Straßen Wiens mit Leichen pflastert, auf der anderen Seite eher auf die klassische Deduktion, als auf große Actionszenen setzt.

Charaktere:

Das Buch lebt durch seine Charaktere.
Frank Tallis schafft es irgendwie (und glaubt mir, ich hab keine Ahnung wie zum Teufel er das macht) dass seine Figuren so unfassbar echt, lebensnah und detailiert ausfallen, dass ich einfach nicht genug davon bekommen kann.

Max Liebermann ist toll. Er ist so ein introvertierter, intelligenter, heißer, guterzogener Typ, dass ich aus dem Fangirlen gar nicht mehr heraus komme.
Max ist so sophisticated und der Kampf den er in diesem Band gegen sich selbst austrägt ist so unfassbar amüsant,  ich bin praktisch in das Buch reinkolabiert (Es geht ziemlich viel um Sex. Obwohl er sich hier an den alten Vorsatz: Immer Sex meinen, aber nie Sex sagen. Hält)

Ihm gegenüber steht sein Freund Inspektor Oskar Reinhardt, ein eher ein bodenständiger Typ, der etwas mehr mit beiden Beinen im "richtigen Leben" steht.

Ich sag immer, die sind wie die Wiener Ausgabe von Holmes und Watson. Und wenn die zwei sich Mal wieder zu ihren "Singabenden" (ja, die haben Singabende!) treffen, dann ist das Bromance vom Feinsten.

Was das Buch für mich so besonders macht:

Frank Tallis ist einfach ein wundervoller Erzähler.

Wenn ich bedenkte, dass ein Großteil seiner Geschichte durch abstrakte Dinge getragen wird (Essen; Kunst; Musik; Literatur; Philosophie) und ich mich trotzdem keine Sekunde langweile, obwohl die Protagonisten zum 20sten Mal in einem Café sitzen und österreichische Spezialitäten am Fließband verputzen, dann weiß ich, der Autor hat alles richtig gemacht.

Frank Tallis bringt uns Wien. Das ganze Wien. Die Hofburg und den Slum. Jedes Café, jede Villa, jeden Club, jede Sehenswürdigkeit, ohne zu werten, ohne es zu über- oder untertreiben. Wir sind einfach da.

Das beste an dem Buch sind und bleiben die Charaktere, allen voran Max. Ich hab so mitgelitten, bei seinem inneren Kampf. Soll er seine Verlobte Clara heiraten, obwohl er keine tiefen Gefühle für sie hegt, oder soll er seinem unterbewussten Sehnsüchten nachgeben, und sich Miss Lydgate zuwenden, die praktisch seine andere Hälfte ist. Drama deluxe.

Fazit:

Frank Tallis hat mit Vienna Blood einen historischen Krimi von großer Intelligenz geschrieben, der durch seine Figuren getragen wird.

Wer Mozarts Zauberflöte, klassische Musik, Kuchen, Sherlock Holmes und Wien mag, der kann hier nichts, aber auch gar nichts falsch machen.

Wer die Bücher lieber auf Deutsch lesen möchte: Wiener Blut gibt es auch auf Deutsch vom BTB Verlag, ich würde aber raten mit "Die Liebermann Papiere" zu starten. Die Fälle sind zwar abgeschlossen, aber um die Charaktere richtig genießen zu können, sollte man von Anfang an dabei sein. 

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