[Rezi] Der Satan von Bermondsey

Der Satan von Bermondsey
Raimon Weber
49 S. 
0.99 €

Inhalt: 

Akte 3 – Wir schreiben das Jahr 1909. Im Londoner Stadtteil Bermondsey leben die Menschen unter widrigsten Umständen. Armut, Krankheit und schlimme Verbrechen gehören zum Alltag.
Im dritten Fall der fesselnden Serie „Die geheimen Akten des Sir Arthur Conan Doyle“ trifft der scharfsinnige Schriftsteller auf einen traumatisierten Waisenjungen, der steif und fest behauptet, um ein Haar dem Tod in einer dunklen Höhle entkommen zu sein. Sein Körper weist merkwürdige Einstiche auf.
Man munkelt, ein gehörntes Wesen – der Satan von Bermondsey – treibe sein furchtbares Unwesen in den nächtlichen Gassen. Ob der Junge beinahe sein Opfer geworden wäre?
Sir Arthur Conan Doyle ist einem Geheimnis auf der Spur, das sein ganzes Leben verändern wird. 

Meinung: 
Leider kann ich, außer bei Amazon, nirgends ein Bild von dem Cover finden, dass  ich verwenden könnte. Schade eigentlich, denn das Cover ist einer der, leider wenigen Pluspunkte an dieser Novelle. 
Ich wurde auf das Buch von Raimon  Weber aufmerksam, weil es für ein paar Tage gratis und damit an der Spitze der "Kostenlos"-Charts war. Das Cover ist, wie gesagt, wirklich sehr schön und sehr professionell gestaltet. Und ich war, und das gebe ich zu, hin und weg. Eine Novellenserie, die in London spielt und Arthur Conan Doyle zum Protagonisten hat. Wahnsinn. Ich dachte wirklich, dass der Satan von Bermondsey vielleicht der Anfang einer neuen Sucht für mich werden könnte. Obwohl, und auch das will ich ehrlich sagen, ich mich schon gefragt habe, wie ein Autor es schaffen will, auf gerade mal 50 Seiten ein solches Rätsel zu lösen. 

Ich machte mich also mit großer Euphorie ans Lesen und der Prolog war wirklich gut gemacht. Darin werden wir erst einmal aufgeklärt, dass der Nachlassverwalter in einer Gartenlaube die geheimen Unterlagen und Aufzeichnungen von Arthur Conan Doyle, dem geistigen Vater von Sherlock Holmes, entdeckt und nun beschlossen hat, sie der Öffentlichkeit zu präsentieren. Vom Plot er, war es also fast so angelegt, wie die Augen der Heather Grace. 

Als nächstes springen wir ins Jahr 1909 und da fingen für mich die Probleme an. Was jetzt folgt, ist meine subjektive Meinung. Aber ich kann ein Buch einfach nur nach dem werten, was es mir gegeben hat. Und der Satan von Bermondsey war einfach humpf ... es war nicht so, dass ich den Plot per se nicht mochte, obwohl er mich etwas an from Hell erinnert hat. Oder das Herr Weber jetzt so gar nicht schreiben kann, aber den Text zu lesen und Sir Doyles Erzählstimme zu lauschen während sie herumschwadroniert, empfand ich als schrecklich enervierend.

Ich will hier kurz erleutern warum. 
Der Protagonist ist Arthur Conan Doyle, ein Gentleman des ausgehenden 19. Jahrhunderts und er wandert durch ein Armenviertel, einen Slum, ein Drecksloch. Und während er das tut, muss ich mir als Leser ein Füllhorn von wertenden Adjektiven und Beschreibungen anhören, die mir empathiheischend vor Augen führen sollen, wie furchtbar und grässlich und ach Gott ach Gott, das nicht alles war. Und es tut mir leid, aber so etwas nervt mich beim Lesen dann doch zusehends. 

Der Satan von Bermondsey ist einfach das Konterbeispiel zu the Lions Courtship. Was bei Annelie Wendeberg super funktioniert (Armut ohne erhobenen Zeigefinger und Zuckerguss darzustellen) gerät hier zu etwas, dass mich beim lesen mit den Augen rollen lässt. Der Autor spart nicht mit praktischen Beispielen z.B. erklärt er uns, warum die armen Slumkinder keiner Schuhe haben, kann es sich dann aber nicht verkneifen, den Ich-Erzähler gleich mal wieder werten zu lassen und ja, ich mag das nicht. 

Ich weiß, dass klingt jetzt nach in den Krümeln Sucherei und manch einer wird sagen: Aber deswegen kann man ein Buch nicht schlecht finden. 

Auf der anderen Seite muss ich aber sagen: Wenn einem der Erzähler einer Geschichte nicht zusagt, was bleibt dann noch? Wenn der Autor eine Figur wählt, die durch die Geschichte führt und die Figur ist dem Leser (also mir) einfach ... ich will nicht sagen unsymphatisch, aber Doyles Art kam einfach nicht gut bei mir an, was bleibt mir dann noch von dem Buch?
Die Story? Die ist zu kurz, um wirklich mitzureisen. Sie ist nicht übel, aber es bleibt keine Entfaltungszeit, dafür spielt öfter mal Freund Zufall eine große Rolle. 
Die Beschreibungen? Die sind mir durch "Wertungen" einfach zu verzerrt. Ich kann mir einen Slum nicht druch die Augen eines Gentlemans ansehen, das bringt mir persönlich nichts. 

Die Sprache? Wie ich schon sagte, ich spreche Herrn Weber jetzt sein Talent nicht grundsätzlich ab. Nur mit dieser Novelle konnte er mich nicht überzeugen.
Nach der Lektüre von der Satan von Bermondsey verspüre ich keine große Lust mir die anderen Bände auch noch zu besorgen. 
Wirklich schade, ich hatte so auf eine historische Novellenreihe gehofft. 
2/5 Sternen

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