[Rezi] Half a King


http://www.amazon.de/gp/product/0007550200/ref=x_gr_w_bb?ie=UTF8&tag=httpwwwgoodco-20&linkCode=as2&camp=1789&creative=9325&creativeASIN=0007550200&SubscriptionId=1MGPYB6YW3HWK55XCGG2

von Joe Abercrombie
Harper Collins Puplishing
373 S. 
ISBN:0007550200
Serie: Shattered Sea #1

Ich bin in vielen Dingen kein typischer Leser.
Bücher vorbestellen  liegt mir nicht und ich bin Autoren selten treu. Bei Joe Abercrombie sieht das anders aus. Seit mein Mann mir damals die komplette First-Law-Trilogie (zu deutsch "Klingentrilogie" ) zu Weihnachten geschenkt hat, bin ich ein Fan. Und konnte es deshalb kaum abwarten bis Half a King erscheint.

Jetzt nachdem ich es gelesen habe kann ich es auch nicht abwarten, bis der zweite Teil erscheint. Half a King war eins meiner Lesehighlights dieses Jahr, allerdings kann ich dem Buch keine vollen fünf Sterne geben.

Hier sind meine Gründe.

Inhalt: 

Prinz Yarvi von Gettland wurde mit nur einer guten Hand geboren. Das fanden sein kriegerischer Wikinger-Vater, sein gemeiner Wikinger-Bruder und sein kampferprobtes Wikinger-Volk jetzt nicht so ideal. Also hat man Yarvi zu dem Ministern abgeschoben. Das ist eine Mischung aus Priester und Berater und Yarvi ist total okay damit. 
Der Junge bereitet sich grad auf seine "Abschlussprüfung" vor, als die Tür aufgeht und sein Onkel ihm mitteilt, dass sein kriegerischer Wikigender-Vater und sein gemeiner Wikinger-Bruder getötet wurden und er, Yarvi, jetzt König von Gettland ist. 

Das findet Yarvi jetzt nicht so ideal, seine geldgierige Wikinger-Mutter auch nicht und sein kampferprobtes Wikinger-Volk sowieso nicht. 
Aber ein König tut, was das beste für sein Land ist, nicht wahr? 
Und das beste für Gettland bzw. Gettlands neuen König ist es erst mal in den Krieg gegen den Mann zu ziehen, der angeblich Vater und Bruder ermordet hat. 

Nicht so ideal, wenn man dabei nur eine Hand hat und auch noch von den eigenen Leuten betrogen wird, mit Müh und Not einen Mordanschlag überlebt und dann als Galeerensklave verkauft wird ... mit nur einer guten Hand. 
Von jetzt an hat Yarvi nur noch einen Gedanken: Rache 


Meinung:

Bevor ich dazu komme, warum ich Half a King keine vollen fünf Sterne geben kann, zunächst einmal das Gute. 

Yarvi. 
Ich habe immer größten Respekt davor, wenn Autoren sich entschließen ihren Hauptfiguren Handycaps mit auf den Weg zu geben. Das macht sie gleich dreimal so interessant. Denn im Gegensatz zu den strahlenden Helden, den gutaussehenden Burschen mit Waschbrettbäuschen und perfekter Alabasterhaut, können sich Krüppel nun mal nicht auf ihren Look allein verlassen, sondern sind dazu gezwungen zu ackern.


In Half a King bedient sich Abercrombie wieder alten Motiven. Wir haben Barbarenkrieger, eine (neue) mittelalterliche Welt, Kämpfe/Schlachten, bösartige Weibsbilder und Helden die eigentlich keine sind. Sagen wir Joe Abercrombie bleibt sich treu und erfindet sich nicht unbedingt selber neu. Was ja aber auch nichts schlechtes ist. Sagen wir es einfach so: Half a King ist einfach Joe Abercrombie light. Nicht ganz das, was wir gewohnt sind, aber deshalb nicht weniger gut.

ASOIAF?

Ich hab in einigen englischen Rezis gelesen, dass Punkte/Sterne abgezogen wurden, weil Story & Welt zu sehr an G.R.R Martins ASOIAF (für alle nur Fernsehgucker: GoT) erinnern würde. 
Dazu sage ich ein klares: Jein. 
Ich geh einfach mal davon aus, dass Mr. Martin in seinem Epos einfach mal die volle Bandbreite von dem abdeckt, was in der mittelalterlichen Low/Epic Fantasy so möglich ist. Unheimlich viel ist schon passiert, unheimlich viel wird noch passieren und wir Leser/Konsumenten sind durch die Überpräsenz von ASOIAF/GoT einfach total auf Westeros eingeschossen. 

Natürlich gibt es in Half a King, einen Thron bzw. Stuhl, den Yarvi gern zurück hätte. Aber so viel Ähnlichkeit hat der Black Chair mit dem eisernen Thron jetzt auch nicht. 

Es gibt auch eine vielzahl von Göttern, die sich aber im Gegensatz zu ASOIAF nicht in "alte" und "neue" sondern in "große" und "kleine" teilen, also fand ich auch das nicht wirklich schlimm, denn es sind ja nur Götter.;)

Die einzige Sache, die mich wirklich an ASOIAF erinnert hat, war Yarvis Mutter Laithlin (Gott ich hoff ich hab den Namen richtig). Ich nenne sie gern: Cercei Lannister, wie sie hätte sein sollen. Da hatte ich gleich diese Assoziation ... noch bevor ich die Kritiken gelesen habe. Aber wie gesagt, es kann auch einfach daran liegen, dass ASOIAF grade so überpräsent ist. Ich ziehe dafür keinen Stern/Punkt ab. Geldgeile, blonde Königinnen kann es immer und überall geben ;)

Kritik

Ich gebe Half a King 4 Punkte.
Ja, ich hab mich wie Bolle über das neue Abercrombie Buch gefreut. Es hatte so tolle Phrasen (die ich alle markiert hab). Ich liebe die Hauptfigur, die Welt, das mit den Göttern, die Spannung, das "comming of age" alles Klasse, aber trotzdem, es sind einfach keine vollen fünf Sterne. 

Zum einen kopiert Abercrombie sich leider selbst. Und ich rede hier nicht von seiner Schwäche für Barbarenkrieger oder Gemetzel, sondern eine der entscheidenden Szenen ... hat er einfach aus "Best served cold" fast 1:1 übernommen. 

KLEINER SPOILER 

.
.
.
Wie schon in BSC kommt es zu einem Zusammentreffen zwischen dem Prota und dem Anta auf einer sehr hohen Fläche, in BSC war es ein Balkon und hier ist es eine Turmspitze. Warum der Antagonist Yarvi jetzt so unbedingt, auf der Turmspitze treffen wollte, keine Ahnung. Er hätte ihn überall umbringen lassen können. Im Hof, in der Stadt, weiß der Teufel. Diese Turmsache, war mir beim lesen gleich total forciert und ich wusste worauf es hinaus laufen würde. Mr. Abcrombie ist einfach nix besseres eingefallen, als wieder eine Figur über ein Geländer zu befördern. Im Gegensatz zu Monza in BSC landet Yarvi  nicht auf ner Leiche, sondern im Meer. Und genau wie bei BSC sind die "Schergen" des Bösen mal wieder zu doof und zu checken, ob der Prota wirklich tot ist. 

Dieses Szene, die ja jetzt wirklich ein Wendepunkt in der Geschichte darstellt, war einfach nur forciert, von sich selbst abgekupfert und ja ... eine Enttäuschung 

.
.
.
Spoiler Ende. 

Was mich beim lesen auch gestört hat war, dass einfach Teile ... ja gefehlt haben. Zumindest haben mir Teile gefehlt. Als Beispiel, jetzt kein Spoiler, weil es ja nichts Entscheidentes verrät. 
Yarvi soll mit irgendwelchen Barbaren/Wilden verhandeln, noch nie hat irgendwer mit denen verhandelt und Yarvi ist jetzt auch nicht der Typ von dem ich sagen würde, er wäre super kontaktfreudig. Eine Szene: er geht auf die Barbaren zu ... Schnitt ... Verhandlungen gelaufen ... alles super, es kann weiter gehen. 
Äh ... 
Ja ... nun gut, der (für mich) interessante Teil ... fehlt irgendwie. Wie hat Yarvi das geschafft? Wie hat er das gemacht, dass alles tutti ist?

Half a King ist für Abercrombie-Verhältnisse ein sehr kurzes Buch, und das ist jetzt auch nur ein kleiner Kritikpunkt, aber ja, ich hätte mir mehr "Fleisch auf den Knochen" der Geschichte gewünscht, weil für mich war das "lesen im Zeitraffer" es war so schnell schnell schnell und dann wars schon wieder vorbei und erzählt. Hundert Seiten mehr, hätten hier echt nicht geschadet, um einfach den Figuren (insgesamt) mehr Spielraum und Entfaltungsraum zu geben. Weil kaum waren sie da ... waren sie auch schon wieder weg. Traurig. 

Fazit: 

Joe Abercrombies Half a King ist ein großartiges Buch. Wirklich. Es hat einfach alles, was ich bei Fantasybüchern mag. Tolle Figuren, tollen Weltenbau, es ist böse und witzig und ja ich fühle mit den Helden. 

Leider ist es sehr kurz geraten und die Ereignisse verlaufen zu sehr in einem Zeitraffer. Für einen Abercrombie wird das Buch sehr linear erzählt, spannende Nebenplots fehlen.

Ich freue mich jetzt schon auf Half the world nächstes Jahr. 

4 / 5 Sternen
lesen!







Kommentare

  1. Hört sich wirklich super an! Auf einen witzigen Fantasyroman hätte ich total Lust im Moment :)
    Liebe Grüße,
    Hannah

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

[Rezension] Eisige Schwestern

[Montagsfrage] Kommentare

[Rezension] Die Henkerstochter