[Rezi] die Augen der Heather Grace

von David Pirie
Bastei Lübbe
333S.
ISBN: 978-3-404-16974-0
Bd. 1 der Reihe: Aus den dunklen Anfängen von Sherlock Holmes
 
Inhalt: 

Sie ist jung und schön: Heather Grace, eine der ersten Patientinnen, die den jungen Arzt Arthur Conan Doyle aufsuchen. Doyle ist verwirrt, nicht nur wegen ihrer Schönheit, sondern auch wegen ihrer Visionen von einem Phantom, die sie immer öfter heimsuchen. Bald jedoch lenkt ein viel schwerwiegenderer Fall Doyle ab: der Mord an einem reichen Geschäftsmann. Doyle selbst gerät in Verdacht. Hilfesuchend wendet er sich an seinen alten Mentor, den brillanten Dr Joseph Bell. Dieser findet bald heraus, dass der Schlüssel zur Lösung des Rätsels in der Tat in den Augen der Heather Grace liegt ... 
 
Meinung: 
 
Sherlock Holmes. 
Das wirkt auf viele Leser wie ein Magnet. Viele Autoren haben sich an der legendären Figur von Arthur Conan Doyle versucht, mal mehr und mal weniger erfolgreich. 
 
David Pirie geht einen anderen Weg. 
Protagonist seiner Serie " aus den dunklen Anfängen von Sherlock Holmes (im Original: Murder Rooms) ist der Schöpfer der Figur, Arthur Conan Doyle selbst. 
 
Ein interessanter Ansatz, denn je mehr man davon liest, erkennt Parallelen zwischen Doyle und Watson und Dr. Bell und Holmes. 
 
Doyle ist noch ein junger Medizinstudent, als er auf den brillianten Dr. Joseph Bell trifft, der mit seiner "Methode" für Deduktion für Furore sorgt. Der gewitzte Doktor löst in seiner Freizeit gern knifflige Mordfälle oder Rätsel und Doyle gerät, mehr oder minder unfreiwillig, in den Dunstkreis dieses Mannes. 
 
Aufbau und Schreibstil erinnern mich an den eines klassichen Holmes. Auch wenn meine Freunde immer behaupten, man könnte den Fall durchschauen, wenn man zwischen den Zeilen liest und auf Details achtet, muss ich immer bis ganz zum Ende warten, bis sich für mich das Rätsel auflöst und Holmes, oder hier Bell mir erklärt, wie das Ganze abgelaufen ist.
Oftmals sind die Erklärungen haarsträubend und ich war bisweilen ziemlich perplex, was genau das jetzt sollte, und woher das jetzt kam, aber da ich das Buch wie einen klassischen Holmes werte, bin ich damit okay. 
 
Der Plot ist verschachtelt, Heather Grace spielt erst im letzten Drittel eine entscheidende Rolle, und ich bin ehrlich und gebe zu, dass ich nicht ganz verstanden habe, was das jetzt alles mit den Augen der Frau zu tun hatte. 
 
Es gibt viel Schönes an dem Buch. Es ist sehr atmosphärisch geschrieben, die Erzählstimme von Doyle, der hier als Ich-Erzähler auftritt, ist angenehm. 
Die Spannung würde ich als mäßig beschreiben. Es ist natürlich nicht unspannend ein Phantom im Wald zu jagen, und ich geb zu, ein paar Mal hatte ich Gänsehaut. Aber die Handlung fasert eben zu stark aus, und die ganzen Nebenschauplätze nehmen den Fokus von Heather Grace und ihrem gruseligen Verfolger. 
 
Insgesamt ist "die Augen der Heather Grace" ein relativ kaltes Buch. 
Kalt in der Beziehung, dass es mir schwer viel mit den Figuren warm zu werden, weil Doyle einfach nicht wirklich der Gefühlsmensch ist. So hält sie die Empathie in Grenzen. Menschen sterben, aber das wird so im Nebenbei erzählt, dass mich ihr Tod nicht wirklich berührt. 
 
Auch sind mir am Ende des ersten Bandes einfach zu viele Fragezeichen übrig geblieben. Ständig werden Andeutungen auf Geschehnisse gemacht, aber eine befriedigende Auflösung gibt es nicht. Da muss ich wohl auf Band zwei warten. "Im Zeichen der Furcht" erscheint in einem knappen Jahr (März 2015) und da wird wohl endlich geklärt, was genau mit Doyles großer Liebe eigentlich passiert ist. 
 
Fazit: 
 
Ein atmosphärisches Buch für Holmes-Liebhaber, dass aber viele Fragezeichen hinterlässt. Für Fans von Dedektivgeschichten sehr zu empfehlen.
 
3.5 von 5 Sterne
 
 

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