[Rezi] Am Ende der Treppe, hinter der Tür

http://www.rowohlt.de/buch/Sabine_Ludwig_Am_Ende_der_Treppe_hinter_der_Tuer.3034313.html
von Sabine Ludwig
Rowohlt Verlag
384 S. 
ISBN: 978-3-499-21675-6 
9.99 € (Paperback oder E-book)


Inhalt: 

Wie erpresst man einen Mörder, den man nicht gesehen hat?
Die 16-jährige Martha ist zufällig Ohrenzeugin des Mordes an ihrer Nachbarin geworden. Nun beschließt sie, dieses Wissen für sich zu nutzen. Denn sie braucht Geld. Damit sie endlich mit ihrer Mutter in eine eigene Wohnung ziehen kann. Und damit sie sich nicht mehr mit diesem Glatzkopf und seiner nervigen kleinen Tochter Poppy rumärgern muss. Gemeinsam mit ihrer Freundin Jill entwickelt Martha einen raffinierten Plan ... doch dann begeht sie einen entscheidenden Fehler. 


Meinung: 

Das Buch war ein Zufallsfund bei meiner Buchhändlerin. 
Das Cover, der Rückentext und auch der ich nenns mal Werbetextausschnitt auf der Innenseite des Buchdeckels, machen richtig Lust auf dieses Buch. 

Es erinnerte mich ein bisschen an Bienensterben, was ja ziemlich großartig war. Jetzt da ich das Buch beendet habe, muss ich sagen, am Ende war es eher so wie bei "in guten wie in toten Tagen" eine ziemlich herbe Entäuschung. 
Und zwar auf ganzer Linie. 

Wie gesagt, alles an diesem Buch bereitet den Leser darauf vor, dass es um Mord, Erperssung und raffinierte Pläne geht. 
Doch auf den ersten einhundert Seiten passiert gar nichts. 
Also nichts außer das Alltagsleben der Protagonistin Martha. Ihr Vater ist an Krebs gestorben, ihre Mutter hat einen neuen Mann (von Martha nur die Glatze genannt). Die Glatze hat auch eine Tochter, die ich wirklich als Ausgeburt der Hölle bezeichnen will, Poppy. 
Martha ist einfach eine 0815-Schülerin. Bisschen übergewichtig. Launisch. Weiß nix mit ihrem Leben anzufangen. Hat wenig Selbstwertgefühl und ist ständig auf Krawall gebürstet. Teenager halt. Sie ist in ihren Englischlehrer Alex Miller verknallt und leidet ständig unter Geldnot. 

Und so geht es on and on ... hundert Seiten lang. Dann wird sie, mal wieder durch ihre Freundin Jill zum Blödsinn machen angestachelt, zufällig Ohrenzeuging des oben erwähnten Mordes. 

Und ich dachte: WUHU endlich gehts los. 
Aber weit gefehlt. War ein bisschen so, wie bei Schuld und Sühne, ein Mord macht die Sache längst noch nicht spannend, oder aufregend, oder unheimlich. 
Dieser Werbetext auf der Coverinnenseite, der von abgetrennten Fingern im Aquarium spricht ... ich sag nur: schön wärs gewesen, aber nix! Die Auflösung dieser "Werbeszene" empfand ich schon fast als arglistige Täuschung Seitens des Verlags. Da hät ich heulen können. 

Denn auch nach dem Mord an der Nachbarin geht es einfach weiter mit dem Alltagskrusch. Natürlich passieren hier und da ein paar Dinge, die den Fokus etwas auf "Verbrechen" rücken. Aber dann ist Theateraufführung, Martha hat Tagträume von sich und Miller, Poppy baut wieder Scheiße. Und du suchst die Spannung vergebens. 

Nach ungefähr knappen 200 Seiten wusste ich, wer der Täter ist. Keine große Überraschung, war ziemlich eindeutig. Zwar versucht die Autorin noch "falsche Spuren" zu legen, aber man hat ja nur ein begrenztes Esenmble an Erwachsenen zur Verfügung, und da der Täter ja immer ... irgendwo Kontakt zum ich nenns mal "Ermittler" hat in solchen Büchern, wars fast wie 1und1 zusammenzählen. 

Dann auf den letzten 50 Seiten passiert endlich mal was. Aber ich bin weiter davon entfernt zu sagen: Uh Ah da überschlagen sich die Ereignisse. Martha ist einfach blöd und blauäugig. Und ich mein richtig blöd und richtig blauäugig. 

Die Szene mit dem Mörder, war einfach nur zum Heulen schlecht gemacht. Nein wirklich. Ich hasse dass wenn Täter sich hinhocken und dann über ihre schlimme Kindheit rumjammern und voll den "Warum ich es getan habe"-Text nachschieben. Und das wars! Nein wirklich! DAS WARS. 

Es folgt eine total lahme "Rettungsaktion" und eine noch lahmere "Auflösung" in der Martha einem Schulkammeraden einfach alles erzählt, wie das so gelaufen ist. Und dann ist das Buch aus. 

Fazit: 

Wegen dem Rückentext und dem Werbetext auf der Innenseite, hatte ich eine sehr viel spannendere Handlung erwartet. Auf jeden Fall eine Handlung, die mehr Fokus auf das Verbrechen und die Planung dieser Erpressung legt. 

Im Grunde genommen könnte das Buch auch: Meine Mutter, ihr Neuer, seine grässliche Tochter und oh ja einen Mord gabs am Rande auch noch ... heißen. 

Die "Spannungshandlung" denn dieses Buch ist weder Krimi, noch Thriller, nimmt vielleicht ein sechstel des Textes ein. Der Rest ist der innere Kampf eines Teenagers, gegen seine Mutter, ihren neuen Freund und die Stiefschwester, die es nicht haben will. 

Das allein wäre schon Thema genug für ein Buch. Und sicher auch interessant. Die Spannungshandlung hätte sich die Autorin echt schenken können und lieber ein Buch über ein Mädchen mit Alltagsproblemen schreiben sollen, und wie es diese meistert. Dafür hätte die arme Nachbarin echt nicht dran glauben müssen. 

Als Fazit kann ich nur sagen: Schade hatte mir da was anderes erhofft. 

3/5 Sternen

 

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